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Twisted - Kapitel I

~ Neues Unkraut ~

Er ist wunderschön. Ich kann den Blick nicht von ihm nehmen, obwohl mein auffälliges Starren bereits verstohlenes Flüstern verursacht hat. Nur er merkt nichts. Für ihn bin ich Luft.
Seine rot-braunen Haare hängen ihm leicht ins Gesicht. Ich schiebe die einzelnen Strähnen hinter seine Ohren und fühle sein Haar. Dann ein tiefer Blick in seine atemberaubenden, dunklen Augen, die im Licht der Designerlampen einen einzigartigen Grünschimmer annehmen. Meine Hand streicht sanft über seine perfekte Wange, während sich mein Mund seinem nähert. Ich schließe die Augen und kann seine Lippen bereits erahnen... „Pass doch auf!“ Ich stolpere und höre wütende Rufe. Verwirrtes Blinzeln, ich stand wohl wieder im Weg herum, versunken in meine Tagträume. Meine Augen suchen ihn, doch in meiner geistigen Abwesenheit muss er wohl in der Menge untergetaucht sein.
„Mensch, Ari – Wach endlich auf und nutze die einmalige Chance! So schnell werden wir wohl nicht mehr auf einer High Society Party sein!“
Missmutig darüber, dass mein Objekt der Begierde verschwunden ist, funkele ich meinen besten Freund an: „Na und? Hab ich etwa um die Chance gebeten?.“
„Nein, aber zeig dich mir wenigstens dankbar, denn ich weiß, dass du kleines Mauerblümchen sehr gern zur Rose werden würdest. Also hör auf in der Ecke vor dich hin zu träumen.“
Ich weiß, dass Yanik recht hat, aber deswegen werde ich meine Ecke noch lange nicht aufgeben.
„Misch du dich einfach unter die Leute. Lass dir nicht von einer Außenseiterin wie mir den Sprung in die bessere Gesellschaft verbauen. Dich wollen sie. Schließlich warst du eingeladen. Dir stehen alle Türen offen und ich will sie dir nicht versperren, also geh.“
Ich gebe Yanik einen sanften Schubs und er verschwindet nach kurzem Zögern mit einem besorgten Blick zwischen den Leuten. Er weiß, wann er gegen meine Sturheit verloren hat. Wir haben solche und ähnliche Gespräche die letzten Tage öfters geführt und ihm gehen allmählich die Argumente aus. Immerhin hat er mich so weit gebracht, dass ich überhaupt hier aufgetaucht bin. Hier, damit meine ich das luxuriöse Haus eines verwöhnten Vorstadt-Teenagers, den ich den ganzen Abend noch nicht einmal zu Gesicht bekommen hab. Jedes Wochenende findet eine Feier statt. Immer in einem anderen Haus. Zumindest soweit ich von den Gesprächen in der Schule am Montag danach bisher aufgeschnappt habe.

Diese Party ist nun also meine erste. Dank Yanik. Er hat sich seit Wochen beim Gastgeber eingeschleimt nur um das langweiligste, unbeliebteste Mädchen der Schule als Begleitung mitzubringen.
Meine Augen suchen weiterhin unablässig die Menge ab. Momentan dröhnt eine Ballade aus der 10.000€ Anlage. Zu dieser Musik will keiner so wirklich tanzen. So wird meine Suche wenigstens nicht von zuckenden Körpern behindert. Trotzdem bleibt sie erfolglos. Ich zermarter mir mein Gehirn, ob ich den Jungen schon einmal in der Schule gesehen habe. Wahrscheinlich ist es ein Neuer. Schätzungsweise eine oder zwei Stufen über mir.
Ich bemerke zwei Mädchen die miteinander tuscheln und mir immer wieder Blicke zuwerfen. Beim Anblick ihrer Nerz-Handtaschen wandert meine linke Augenbraue wie von selbst nach oben. „Noch nie jemanden ohne tote Tiere am Körper gesehen, oder was?“ Die beiden starren mich entsetzt an. Als die Blonde gerade ihren Mund aufmachen will, wird sie von ihrer gestikulierenden Freundin angestubst und in die Menge gezogen.
Kopfschüttelnd lehne ich mich an die Wand hinter mir. Der Junge will mir immer noch nicht aus dem Kopf. Ständig tauchen jedoch die Bilder der beiden Mädchen vor meinen Augen auf. Pelzträger kann ich einfach nicht verstehen und das Verhalten der beiden ist mir besonders unverständlich. Normalerweise bin ich ein gefundenes Fressen für die Zicken aus meiner Schule und die beiden sind, soweit ich weiß, sogar ein Jahr über mir. Ein Grund mehr auf der kleinen Außenseiterin herum zu hacken.
Mir wird langsam schlecht. Zigarettenrauch habe ich noch nie gut vertragen und hier qualmt jeder Zweite. Ich frage mich, wie die Gastgeber es schaffen, den Gestank aus dem Haus zu bekommen bevor die Eltern etwas merken. Oder haben reiche Kids automatisch auch tolerantere Eltern? Ich huste. Ein Badezimmer wäre jetzt gut. Ein kurzer Blick genügt, um mir zu zeigen, dass ich da alleine niemals hin finden werde. Zwei Treppenaufgänge allein in diesem Zimmer. Da entdecke ich Yanik. Als er auf mein heftiges Winken hin schließlich zu mir kommt, kann er mir auch nicht helfen. Es gibt zwei Badezimmer und logischerweise hat er das Mädchenbad bisher noch nicht aufgesucht. Kurz ziehe ich den Garten in Erwägung, aber Yanik lacht nur und meint: „Vergiss es. Was die da veranstalten willst du nicht mal mit 'nem starken Magen sehen.“
Grummelnd lasse ich ihn wieder zu den unterhaltsameren Gästen gehen. Auf gut Glück steuere ich die Treppe in meiner Nähe an. Auf der zweiten Stufe muss ich kurz inne halten. Für einen Moment dreht sich das Zimmer bedenklich. Das Geländer sollte ich wohl lieber nicht loslassen. Oben angekommen sehe ich nur einen Flur mit fünf geschlossenen Türen. 'PRIVAT' steht auf jeder einzelnen. Das erklärt, warum hier kaum jemand von den Gästen ist. Also wieder runter. Mit etwas Mühe und einigen Seitenhieben drängele ich mich unten durch die Menge um zur anderen Treppe zu gelangen. Diese führt mich dann auch zum Badezimmer. Ein Stöhnen entschlüpft mir, als ich sehe, dass beide Bäder nebeneinander liegen. Würde Yanik nicht blind durch die Welt gehen, hätte er mir problemlos den Weg sagen können. Beim Anblick der Schilder verdrehe ich die Augen. Eine nackte, anzüglich lächelnde Frau für die Damen und ein ebenfalls nackter Mann, der mit seinen reichlichen Muskeln spielt, für die Herren. Ich drücke die Tür mit der Frau auf und erstarre – noch halb auf dem Flur stehend.
Da ist er. Er trocknet sich die Hände ab. Makellose Hände mit perfekt gepflegten Fingernägeln, fast zu gepflegt für einen Jungen. Dann bemerkt er mich. Ich werde mir bewusst, wie bescheuert ich aus sehen muss mit halb geöffnetem Mund so mitten in der Tür zum Bad – zum JUNGENbad. Oh Gott! Sage etwas! Irgendetwas! Oder dreh dich einfach schnell wieder um! Nichts könnte die Situation noch peinlicher gestalten.
„Oh..Verzeihung. Ich..ich dachte, dass hier wäre das..“, ich werfe einen Blick auf das Zeichen an der Tür, die ich noch immer aufhalte. Die nackte Frau, „..das Mädchenbad.“ 'Verzeihung' – ganz toll, gestelzter ging's wohl nicht. Er scheint das nicht bemerkt zu haben, denn er grinst – und was für ein tolles Grinsen!
„Schon OK. Du bist richtig.“ Seine Stimme klingt wunderbar melodiös und weniger tief als ich erwartet habe. Er legt das Handtuch neben das Waschbecken und kommt auf mich zu. Ich starre ihn einfach an, verwirrt, was er von mir wollen könnte.
„Entschuldigung, aber...ich würde da gerne durch“, er deute auf den Flur hinter mir. Ich versperre immer noch den Weg. Mit hochrotem Kopf stolpere ich zu Seite. „Natürlich, verzei.. sorry!“
Die Tür ist längst hinter ihm zugefallen, doch ich blicke weiterhin auf die Fliesen. So peinlich! Wie kann ich das Bad nur je wieder verlassen. Meine Übelkeit und das Schwindelgefühl sind durch die ganze Aufregung nur noch schlimmer geworden. Mich mit beiden Händen am Waschbecken festhaltend betrachte ich mich im Spiegel und verziehe das Gesicht. Ich sehe fertig aus. Ein paar Tropfen kaltes Wasser erfrischend ins Gesicht gespritzt ändern das auch nicht. Meine Hochsteckfrisur hat sich schon vor einer Weile verabschiedet. Ich binde mir die langen Haare flüchtig zu einem Zopf zusammen. Wenigstens sehe ich so nicht mehr ganz so heruntergekommen aus. Natürlich habe ich kein Make-Up in meiner alles andere als weiblichen Handtasche dabei und zum ersten mal bereue ich das. Mit etwas Rouge könnte ich meine kränkliche Blässe überdecken. Ich zupfe mir meinen Pony etwas mehr ins Gesicht und atme langsam tief durch. Schließlich wage ich mich wieder auf den Flur. Zum Glück ist niemand da. Ich verharre noch einmal kurz, bevor ich mich daran mache die Treppe hinabzusteigen. War sie vorhin auch schon so steil? Krampfhaft halte ich mich am Geländer fest und nehme Stufe für Stufe. Dass sich allmählich immer mehr Augenpaare mir zuwenden, merke ich anfangs gar nicht. Ich will hier nur noch weg. Als ich endlich unten angekommen bin, stelle ich fest, dass der Boden erstaunlich schräg ist und sich nach links neigt. Dabei hatte ich doch gar nichts getrunken! Oder wurde mir heimlich etwas untergemischt? Erst jetzt sehe ich, dass mich alle anstarren und leise tuscheln. Nun muss ich mir keine Sorge mehr um meine Blässe machen, denn ich spüre wie mein Gesicht zu glühen beginnt. Etwas unsicher auf den Beinen steuere ich die Haustür an. Mein Publikum weicht vor mir zurück, als hätte ich eine hochansteckende Krankheit. Auf halber Strecke strauchele ich und wäre beinahe hingefallen. Wo ist Yanik, wenn man ihn braucht?! Allmählich beginnt sich Gelächter breit zu machen. Zuerst nur ein leises kichern wächst es schnell zu einem spöttischen Lachen. Als ich endlich die rettende Tür erreicht habe, lacht bereits der ganze Raum, die Musik übertönend. Mit einem Knall schlage ich die Tür hinter mir zu und falle gegen sie. Mein Gleichgewicht hat mich wohl mit meiner Würde verlassen. Meine Augen beginnen zu allem Überfluss zu tränen. Ich hole tief Luft und stütz mich von der Tür ab nur um wieder zu stolpern. Ich sollte nichts überstürzen. Die frische Luft klart meinen Kopf aber etwas auf. Ich beeile mich, das Haus samt der lachenden Menschen hinter mir zu lassen, und dabei möglichst sicher zu laufen.
Erst eine Straße weiter bleibe ich stehen. Jetzt kann ich die Gefühle nicht mehr zurückhalten. Ich setze mich auf die Bürgersteigkante und vergrabe mein Gesicht in den Händen. So viel zu meiner Chance in die „bessere“ Liga aufsteigen zu können. Ich werde mich die nie mehr in meiner Schule blicken lassen können. Fast mein gesamter Jahrgang war da. Leise verfluche ich Yanik. Er hat alles nur noch schlimmer gemacht. Hoffentlich hat er wenigstens sein Ziel von einer besseren Position in der heutigen Jugend erreicht, dann hab ich mich nicht völlig umsonst zum Deppen gemacht. Ich würde es ihm gönnen. Was will er da aber überhaupt? Ich kann auf diese eingebildeten Schnösel verzichten. Ganz besonders auf diesen idiotischen Kerl! Mich wie einen begossenen Pudel dastehen zu lassen, wo er sich doch im Badezimmer geirrt hat! Trotzdem weine ich ihm hinterher, ihm und der Möglichkeit jemals keine Außenseiterin mehr zu sein. Es hätte vielleicht ja auch etwas werden können.. Hoffnung sprießt bei mir eben wie Unkraut – und genauso schnell wird sie auch wieder zunichte gemacht.

 

COPYRIGHT BY LiMi

24.10.09 19:41
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Bunschatten / Website (29.10.09 09:58)
Jah, gefällt mir sehr gut, wie ich schon ausführlich in meiner Mail geschrieben habe xDD - weiter so, freue mich auf die nächsten vier Kapitel =)

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